Stimmen

Nach meiner Lesung vor der Selbsthilfegruppe in Gelsenkirchen-Buer kam ein alter (mein Alter) Herr zu mir und wollte das Buch kaufen. Er hatte seine OP hinter sich, war offenbar gut drauf, wollte das Buch trotzdem kaufen. Und er sagt mir – unaufgefordert -, dass es das Exemplar für seine beiden Söhne kaufe. Sie sollten mal nachlesen, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen seien. Diesmal aus einem anderen Blickwinkel, weil sie die Ratschläge des Vaters wohl nicht mehr so ernst nähmen: Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten. Mein Buch, in einfacher und verständlicher Sprache geschrieben, mit Happy End, würde den Söhnen keine Angst machen.

Für alle. Für jeden. Für uns.


http://www.urologie-fuer-alle.de/die-kampagne/news/liebe-lust-prostata-eine-wahre-liebesgeschichte

Obwohl das Thema in den Medien, wenn es Prominente trifft, immer noch Schlagzeilen macht wird, bleibt es im häuslichen Umfeld ein Tabu. Doch wächst eine neue Generation nach, die Generation unserer Söhne, die ab 45 endlich mal zum Arzt gehen sollten. So sehe ich, dass die Nachfrage nach Aufklärung und Informationen steigt.


Macht endlich den Mund auf!

„Lieber tot als impotent“ – der Satz ist ein Symptom für die verbreitete Unfähigkeit, über Prostataprobleme zu reden. Eine Folge: Viele Männer gehen zu spät zum Arzt. Nur 31 Prozent der Patienten, bei denen ein bösartiger Tumor der Prostata gestreut hat, überleben. Bei Früherkennung sind es hingegen 80 bis 99 Prozent.

Die Tabuisierung des Organs erschwert zudem das Überleben nach einer Operation. Friedrich W. Zimmermann erhielt mit 68 Jahren die Diagnose Prostatakrebs. Der Journalist hat, nach überstandener OP und Reha, nach langer Inkontinenz und Potenzproblemen, ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. Darin macht Zimmermann klar, dass es nicht nur in der Sprechstunde von Nutzen ist, über das Männerleiden sprechen zu können. Es hilft auch bei Problemen in der Beziehung, wenn Erektion und Ejakulation nicht mehr wie früher klappen und die Sexualität neu erfunden werden muss.

  • DIE ZEIT vom 29. Juni 2017, S. 33 WISSEN,
    „Wenn es nicht mehr läuft“  von Burkhard Straßmann.
    http://www.zeit.de/2017/27/prostata-wachstum-maenner-medikamente

EANU-Buchtipp: Liebe – Lust – Prostata
Ein bemerkenswertes Buch hat der Journalist Friedrich Zimmermann veröffentlicht. Er berichtet über seine persönlichen Erfahrungen mit Prostatakrebs und widmet sich, wie es der Titel schon vermuten lässt, dem Thema Prostatakrebs und Sexualität. Er schreibt über den ersten Schock der Diagnose bis zur wichtigen Rolle der Partnerin. Zimmermann sucht auch nach Erklärungen, weshalb immer noch nur ein geringer Anteil der Männer an Vorsorgeuntersuchungen teilnimmt.

  • Zitat aus dem Newsletter der „Europäische Akademie für Naturheilverfahren und Umweltmedizin“ Partner für einen Dialog zur Integrativen Krebstherapie. Die „Aktuellen Gesundheitsnachrichten“ und die „News“ werden von der Stiftung Günter und Regine Kelm gefördert. www.eanu.de


Univ.-Prof. Paolo Fornara:

„Ich finde das Buch sehr gelungen, insbesondere die persönliche Note und die nicht aufdringliche aber doch überall durchsickernde Emotionalität machen daraus einen Erlebnisbericht mit tiefen Hintergrund. Sie treffen den Nagel auf den Kopf und dies gleich mehrmals, da sie sehr gut die Hilflosigkeit, das Wirrwarr an Informationen, die Unsicherheit und die anderen Aspekte am Anfang sowie während des Verlaufes gut skizzieren, möglicherweise könnten wir hier als Ärzte doch einiges besser machen. Sie schaffen es auch auf wunderbare Art und Weise die Schattenseiten und die Tiefen zu stellen, ohne jedoch einen Betroffenen den Mut zu nehmen (…)“

Paolo Fornara ist Direktor der Universitätsklinik & Poliklinik für Urologie am Universitätsklinikum Halle/Saale
und Präsident der deutschen Gesellschaft für Urologie


Dr. med. Hermann J. Berberich:

Mir gefällt besonders, wie Sie das innere Auf und Ab Ihrer Krankheitsbewältigung sehr authentisch wiedergeben. Und ich nehme an, dass es vielen Patienten ähnlich geht. Ich habe es schon einem meiner Patienten zur Lektüre empfohlen. Aber ich würde es auch meinen Kollegen und Kolleginnen empfehlen. Selbst wenn wir Tumorpatienten jahrelang begleiten, wissen wir Ärzte meistens viel zu wenig über unsere Patienten,  Wie sie leben, was sie fühlen…

Hermann J. Berberich ist Facharzt für Urologie, Andrologie und Psychotherapie Hofheim/Ts.


Kurze Beurteilung aus dem Institut für Neuere deutsche Literatur der Phillips-Universität Marburg am 25.4.2017

Friedrich W. Zimmermann: Liebe – Lust – Prostata. Eine wahre Liebesgeschichte. Norderstedt: BoD 2016

Dieses „Bekenntnisbuch eines Journalisten“ (S. 8) ist, wie beim Lesen schnell deutlich wird, das Werk eines Autors mit professionellen Schreib- und Publikationserfahrungen, was bei selbst verlegten Büchern keineswegs selbstverständlich ist. Es ist sprachlich und stilistisch sorgfältig gearbeitet und dabei eine manche Leserinnen und Leser vielleicht irritierende, doch gerade deshalb auch reizvolle Mischung von Liebes- und Krankheitsgeschichte, Dokumentation, Ratgeberliteratur und literarischem Erzählen mit autobiographischer Substanz.
Im Zentrum des Buches steht die Geschichte der eigenen Prostataerkrankung. Mehr oder weniger autobiographische Krankengeschichten waren und sind in der Literatur zwar weit verbreitet, doch in den wechselnden literarischen Vorlieben für bestimmte Krankheiten (in den 1970er Jahren z. B. Schizophrenie, heute dagegen Demenz und Depression) gehörten Prostataerkrankungen trotz ihrer weiten Verbreitung bisher nicht dazu. Eine der Ausnahmen, die der Autor in seinem Literaturverzeichnis ausdrücklich nennt, ist der 2007 erschienene Roman „Exit Ghost“ von Philip Roth, der sich ähnlich ausführlich wie „Liebe – Lust – Prostata“ mit Potenz- und Inkontinenz-Problemen bei dieser Erkrankung befasst. Die Bezugnahmen auf literarische Texte (von Roth, Kurt Tucholsky und Wolfgang Borchert) lassen sich durchaus als Signale dafür verstehen, dass dieses Buch auch als literarisches verstanden und beurteilt werden will. Mit anderen literarischen Krankheitsgeschichten teilt es nicht zuletzt die Reize des Spiels mit Angst und Hoffnung, die für Spannung konstitutiv sind. Die dabei evozierten und thematisieren Ängste werden darüber hinaus differenziert und in ihrer Gewichtung problematisiert (Angst vor Tod vs. Angst vor Impotenz) und gekonnt auf ein sich leitmotivartig wiederholendes Motto bezogen: „Lieber krebsfrei leben als potent sterben!“ Dieses wird positiv einem anderen Motto entgegengestellt: „Lieber tot als impotent!“
Die Krankheitsgeschichte ist in einem unverkrampften, lockeren, zuweilen gewitzten Stil erzählt, der einer verklemmten Peinlichkeit entgegenwirkt, mit der öffentliche Bekenntnisse aus Bereichen der Intimsphäre so oft verbunden sind. Der damit einhergehende Optimismus und das erklärte und auch optisch hervorgehobene „HAPPY END“ (S. 111) der Geschichte unterscheiden sich im Tenor von der Art, wie Philip Roth über seinen Protagonisten Nathan Zuckerman erzählt und andere literarisch ambitionierte Autoren über eigene Krankheitserfahrungen erzählen, allerdings erheblich. „Nach dem Verlust der Prostata gibt es eine neue Lebensqualität. Es ist nicht das Ende, sondern ein Neuanfang für meine magische und wundersame Liebesgeschichte.“
Ein ironisches Spiel mit trivialliterarischen Traditionen? Wohl eher ein Versuch, Lesern, die von dieser Krankheit betroffen sind oder sein könnten, Hoffnung und Mut zu machen. Der Autor erklärt: „Aus Dank schreibe ich meine Geschichte auf, sogar mit missionarischem Eifer, um andere Männer und ihre Partnerinnen aufzuklären. Prostata-Krebs kann wirklich jeden Mann treffen. Und fast jeder hat eine Chance, diesem grausamen Krebstod zu entkommen.“ (S. 110) Der Autor „will ermutigen“ (S. 111) und er macht sich dabei selbst zum Vorbild.
Der zweite Teil des Buches leistet Aufklärung über die Krankheit in Form von Adressen, Interviews, Literaturhinweisen und Dergleichen. Unter literaturkritischen Gesichtspunkten lässt er sich nicht beurteilen. Auf ganz andere Weise vermittelt er aber einen ähnlich professionellen Eindruck wie der erste Teil.